Marietheres Reinke
Gastautorin bei Vegan4Dogs
In den letzten Jahren durfte ich mich besonders intensiv mit den Themen Lebensendphase, Sterben und Einschläfern beschäftigen. Meine ältere Hündin Lotti erkrankte 2023 an Krebs und was sich über die Jahre langsam auf uns zubewegte, stand plötzlich groß und bedrohlich im Raum. Die Tage sind gezählt. Aber wie immer schrieb Lotti ihre eigenen Regeln.
Der Tumor wuchs so ungünstig, dass eine genaue Diagnose nicht möglich war. Anfangs kämpfte ich darum, jede mögliche Behandlung zu prüfen. Doch als ich damit nicht weiter kam, wechselte ich meinen Ansatz und stellte ihre Pflege und unsere gemeinsame verbleibende Zeit in den Vordergrund.
Ich habe mich früh mit der Hospizpflege beschäftigt, doch rückblickend hätte ich es gerne eher nach außen kommuniziert und die dafür nötige Hilfe von Beginn an stärker eingefordert. Hospizpflege schiebt den Fokus auf einen möglichst guten letzten Lebensabschnitt und das ist mit einigem Aufwand verbunden. Der Ansatz hilft aber auch bei der Herausforderung, genau abzuwägen, ob und wann man die Entscheidung trifft, das Leben eines Tieres aktiv zu beenden. Noch steckt die Hospizpflege in der Tiermedizin in den Anfängen.
Nach der Krebsdiagnose lebte Lotti noch etwa zwei Jahre. Aus den Monaten wurden Wochen. Und am Ende plante ich nur noch wenige Tage voraus. Ich stand intensiv mit der behandelnden Tierarztpraxis im Kontakt und habe versucht, alle Perspektiven angemessen abzuwägen: Meinen tierethischen Anspruch, die tiermedizinische Verantwortung aber auch unsere individuelle Lage.
Schließlich entschied ich mich, Lotti an einem ihrer guten Tage einschläfern zu lassen. Sicher hätte sie noch einige Tage gelebt, aber ihre Schmerzen wurden immer schwerer zu kontrollieren und ihr Körper immer instabiler. Ich denke weiterhin, dass es die richtige Entscheidung war, sie nicht beim natürlichen Sterben zu begleiten. Das wäre in diesem Fall aufgrund ihrer körperlichen Verfassung mit erheblichem Leid verbunden.
Jetzt mit einigem Abstand zu dieser intensiven Zeit ist mir klar geworden, wie sehr jeder Tag, jede Gewohnheit, jeder kleine Moment von ihrer Pflege geprägt war. Das alles hat unglaublich viel Kraft gekostet. Aber das war es mir wert.